Lehrer werden in Sachsen

… ist wohl zurzeit eine der häufigsten Überschriften in den Tageszeitungen. Und genau dazu habe ich mich vor knapp einem Jahr endgültig entschlossen, als ich nach dem Hochschulabschluss eine Stelle als Referendar (Lehramtsanwärter) an der Arthur-Kießling Mittelschule in Königsbrück antrat. Nun, nach meinem ersten Jahr, möchte ich einen kleinen Einblick in die Unmenge an Erfahrungen geben.

Um das öffentliche Bild richtigzustellen, sollte zunächst erwähnt werden, dass es, entgegen aller öffentlichen Artikeln, gar nicht so einfach ist Lehrer in Sachsen zu werden. Die von Sachsen bereitgestellten freien Ausbildungsplätze reichen bei Weitem nicht aus, um allen Hochschulabsolventen eine Stelle als Referendar zu geben – die „Abwanderung“ in andere Bundesländer ist daher kaum zu verdenken. Ein großer Teil dieser angehenden Lehrer mit oftmals sehr guten Abschlüssen mit Bedarfsfächern, wie Englisch, bekommt in Sachsen schlichtweg keine Stelle als Referendar an einer Schule. Verwunderlich, oder? Immerhin klagt Sachsen, wie kaum ein anderes Bundesland, über einen Lehrermangel, welcher den Freistaat zukünftig vor ungeheure Herausforderungen stellen wird.

Sei’s drum. Ich jedenfalls habe mir einen dieser seltenen Plätze an meiner kleinen, gemütlichen Wunschschule ergattern können und bin nach wie vor vollends überzeugt davon, Lehrer zu werden. Dies liegt zum großen Teil daran, dass ich mich in meiner Schule einfach sehr wohl fühle – sowohl was den Großteil „meiner“ Schüler, das Arbeitsklima, als auch meine Mentoren, Kolleginnen und Kollegen angeht. Im Vergleich zu den Erfahrungen anderer Referendare für Mittelschulen in Sachsen, welche ich einmal wöchentlich in einem Seminar treffe, kann ich wirklich nur zufrieden über die Ausbildungsbedingungen sein. Ich wurde im Kollegium sehr schnell als neues, fast gleichwertiges Mitglied akzeptiert und auch die Schüler grüßen mich nach einem Jahr immer noch – was längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist!

Meine Erwartungen an die Lehrertätigkeit wurden in vielen Punkten erfüllt, in vielen aber auch unterschätzt, besonders was die Vor- und Nachbereitungszeiten auf den Unterricht angeht: auch wenn der offizielle Schultag in der Regel am frühen Nachmittag endet, für mich war meist erst spät am Abend Schluss. Der positive Nebeneffekt, über welchen wahrscheinlich nur Lehrer berichten können, ist, dass jeder lange Tag einzigartig ist und sowohl positive als auch negative Überraschungen enthält. Ein Problem im Unterricht am Mittwoch ist in der Stunde am Donnerstag längst vergessen. Jedes Stunden- und Pausenklingeln ist wie ein neuer Startschuss. Zum Abwechslungsreichtum als Referendar gehören auch die vielen außerschulischen Veranstaltungen, welche ich stets begleiten durfte, aber natürlich auch die alltäglichen Probleme und Gegebenheiten, die ein ständiges neu ausrichten und einstellen erfordern.

Eine besonders positive alltägliche Gegebenheit für meinen Unterricht sind die medialen Voraussetzungen, welche ich an der Schule vorgefunden habe. Während des Studiums erhält man viele didaktisch-methodische Vorschläge für den „guten Unterricht“. Alles schön und gut, aber wenn ich letztlich an einer Schule lande, in welcher der Polylux das multimediale Highlight ist, dann helfen diese Vorschläge leider wenig. Ich dagegen bin wirklich sehr positiv von der Ausstattung überrascht worden und werde wöchentlich von den anderen Referendaren beneidet: PC, Beamer und Internet gehören längst in meinen Unterricht. Und auch wenn dieser nach einem Jahr noch lange nicht perfekt ist, habe ich zumindest die Möglichkeit eine Vielzahl an Methoden mit den Schülern auszuprobieren.

Das absolute Highlight aus meiner Sicht (und hoffentlich auch aus der meiner Englischklasse) ist die Arbeit mit der interaktiven Tafel. Diese moderne Tafel, eine Kombination aus PC, interaktivem Whiteboard und Beamer, eröffnete mir völlig neue Möglichkeiten, den Unterricht zu gestalten und die Schüler sehr aktiv daran teilhaben und mitwirken zu lassen. Nur wenige Schulen in Sachsen sind bereits mit diesem technischen Wunderwerk ausgestattet und auch während des Studiums hatte ich nie von diesem Gerät gehört. Auch, dass meine Wunschschule über solche Tafeln verfügt, hatte ich zur Zeit meiner Bewerbung nicht gewusst – wieder einmal Glück gehabt!

Nach einem Jahr Stress als Referendar, welcher aber durch viele schöne Erlebnisse mehr als kompensiert wurde, möchte ich mich auf diesem Weg bei allen Schülern, meinen Mentoren, den Kolleginnen und Kollegen und allen anderen Beteiligten der Arthur-Kießling Mittelschule bedanken. Ich hatte ein sehr interessantes erstes Ausbildungsjahr und starte gedanklich jetzt schon voller Anspannung und Vorfreude in das zweite. Ich hoffe, dass ich weiterhin so viele neue und überwiegend positive Erfahrungen machen werde, so dass ich am Ende meiner Ausbildung glücklich sein kann, Lehrer in Sachsen zu sein.

M. Niemietz